Agenturen knabbern vom Kuchen der IT-Freiberufler

Teilmarktstudie von Lünendonk

Immer mehr Schichten von Service-Anbietern schieben sich zwischen externe IT-Spezialisten und die Anwender. Damit verdienen immer mehr Manager an Projekten, in die sie inhaltlich gar nicht involviert sind. Gleichzeitig treten die Auftraggeber auf die Kostenbremse, ein Druck den die Dienstleister weiterreichten, so dass es mit den bislang recht lukrativen Tagessätzen der freien IT-Spezialist bald vorbei sein könnte.

Für besondere IT-Projekte haben Anwenderunternehmen immer schon externe Spezialisten angeheuert. In den Krisen des neuen Jahrtausends haben die Controller zudem gelernt, das hausinterne IT-Know-How auf Kernbereiche zu beschränken, um die Fixkosten niedrig zu halten. So kennt Hartmutg Lüerßen, Partner der Lünendonk GmbH und Autor der Studie „Der Markt für Rekrutierung, Vermittlung und Steuerung freiberuflicher IT-Experten in Deutschland“, einen Konzern in dem 1000 feste IT-Mitarbeiter  5000 Externe steuern.

Der Vorteil niedriger Fixkosten wird jedoch rasch durch zwar variable aber hohe und manchmal undurchsichtige Kosten für die Dienstleister aufgefressen. Hinzu kommt der enorme Aufwand für die Verwaltung Koordinierung einer wachsenden Zahl von Systemintegratoren, Beratungshäusern, Outsourcern und der vielen Freiberufler, die alle zu unterschiedlichen Konditionen arbeiten. So haben Konzerne schon länger extra Einkaufsabteilungen aufgebaut, die die Fähigkeiten, Verträge und Projektabläufe zu koordinieren versuchen. Diese haben sich in den vergangenen Jahren Hilfe bei Third Party Management-Firmen (TPMs) geholt, die sich dem komplette Vertrags-Management inklusive Preisverhandlung und Bezahlung widmen, währen die der Suche und Anstellung von Freiberuflern und IT-Dienstleistern, die bislang ebenfalls zu den TPM-Aufgaben gehört an IT-Agenturen übernommen wird. Tatsächlich erscheint es nicht trivial unter den hier zu Lande rund 74 000 IT-Freiberuflern die jeweils geeigneten Spezialisten zu finden.

Diese tief gestaffelte Organisation hat für die Auftraggeber, laut Lünendonk zu mehr als Dreivierteln große Konzerne, den Vorteil, dass nicht nur ihre Aufgaben vereinfachen, sie können gegenüber den TPMs und Agenturen auch mit einheitlichen Anforderungen auftreten, die nicht nur in Krisenzeiten gerne lauten: „Nächstes Jahr zahlen wir 15 Prozent weniger.“ Die schwierige Umsetzung oder auch nur die Beurteilung der Umsetzbarkeit wird den Dienstleistern aufgehalst.

Third Party Management und Staffing-Agenturen können an IT-Projekten viel Geld verdienen, ohne eine Zeile zu programmieren.


Wie die Lündendonk-Studie zeigt geht das Konzept gerade in Krisenzeiten auf. So hat sich der Marktanteil der Top-10-Staffing-Agenturen seit 2008 um 2,6 Prozent auf 18,3 Prozent erhöht. Im gleichen Zeitraum stiegen zwar ihre Umsätze krisenbedingt kaum, die der Freiberufler sanken jedoch um rund 12 Prozent. Das bedeutet, dass im Grunde die Freiberufler die Vermittler bezahlen, damit diese den Anwenderkonzernen zu Kostensenkungen verhelfen. Die Umverteilung von unten nach oben verschärft sich derzeit noch. So rechnen die Top-10-Agenturen für 2010 mit einem Umsatzwachstum um 15,7 Prozent.

Dass sich die Freelancer auf ein solches Geschäftsmodell einlassen hat ebenfalls mit der Krise zu tun. So erhöht sich angesichts aufgeschobener Projekte der Aufwand für die Kundenakquise, während bei einer Geschäftsbeziehung mit einer Agentur oder als Subunternehmer bei einem großen Integrator lukrative Folgeaufträge locken. Tatsächlich verdienen die Freien im Schnitt rund 7300 Euro im Monat, wobei es deutliche Unterschiede zwischen den gefragten Spezialisten für SAP-Anwendungen, Business-Intelligence, betriebswirtschaftlicher Software oder Web-Service und denen für Cobol-Entwicklung oder PC-Support geben dürfte. Es gehört zu den Geschäftsrisiken eines jeden Freelancers, dass er nur für gefragte Aufgaben gut bezahlt wird und Fortbildung eine Frage seines eigenen Engagements ist. Agenturen (wie etwa bei Künstlern), die für ihre Mandanten eine Art Karriereplanung entwickeln gibt es im IT-Bereich höchstens auf Powerpoint-Folien.

Doch das Blatt könnte sich für die Freelancer wenden. Die demographische Entwicklung dürfte den hier zu Lande notorischen Mangel an IT-Spezialisten dramatisch verschärfen – auch wenn alle aktuellen Techniken wie Cloud-Computing und Virtualisierung auf RZ-Konsolidierung und Automatisierung, sprich: auf Personaleinsparungen zielen.

Eine solche Entwicklung birgt auch für die Agenturen Risiken. Ziehen die Tagessätze ihrer Spezialisten wieder an, dann wird es schwieriger die Sparvorstellungen der Großkunden zu befriedigen. Schon jetzt beharren sie in der Lünendonk-Umfrage darauf, dass Qualtität und Lieferfähigkeit bei der Auswahl eines Sourcing-Partners vor dem Preis rangieren. Richtig ist daran, dass ein Staffing-Dienstleister, der die geforderten Spezialisten nicht oder nur in minderer Qualität liefern kann, bald nicht mehr im Geschäft ist. Wer aber liefern kann, wird im Preis gedrückt, sonst verliert die Einkaufsabteilung eine wesentlichen Teil ihrer Existenzberechtigung.

Die Studie kann für 1200 Euro als PDF-Datei bei der Lünendonk GmbH bezogen werden.