CeBIT 2008: Statements im Vorfeld

Gemischte Reaktionen auf das neue Messe-Konzept

„Die Richtung stimmt“, urteilen die meisten Aussteller über das neue Konzept der CeBIT. Dennoch halten sich Neugierde und Skepsis die Waage.

E
s gibt wieder Aussteiger wie Easy Software, Infor, MySQL, NetAppliance oder Teradata. Für ihr Fernbleiben gibt es viele Gründe, die oft mehr mit US-Konzernleitungen zu tun haben als mit der Messe selbst. Dagegen kann das Engagement von Rückkehrern wie Rückkehrer wie Avaya, Opentext, SAS oder Xerox als klares Vertrauensbekenntnis zu CeBIT gewertet werden. Aber auch sie äußeren sich, wie auch viele Stammausteller häufig skeptisch nach dem Motto: Mal schauen, ob sich das neue CeBIT-Konzept bewährt.

Die Veranstalter verwandeln die CeBIT in eine Kongress-Messe, was mit einem Abschied von Halle 1 verbunden ist sowie einer Verkürzung auf 6 Tage von Dienstag bis Sonntag. Außerdem sollen Lösungen vor Produkten rangieren und Business-Gespräche klar vom Entertainment-Rummel getrennt werden. 

Legende:
+ pro CeBIT;
– CeBIT-kritisch,
+/– unentschieden


+/– Steria Mummert (Beratung): „Insbesondere Entscheider aus mittelständischen Unternehmen mit weniger als 1.000 Mitarbeitern planen einen CeBIT-Besuch ein (44 Prozent). Unter den Befragten aus Großunternehmen sind es etwas weniger (32 Prozent). Die Absicht, neue Trends kennenzulernen, gehört jedoch unabhängig von der Unternehmensgröße zur Top-Nennung der Entscheider.“

+ Avaya (Kommunikation):  „Die CeBIT 2008 ist für Avaya Deutschland und seine Partner die ideale Plattform, um Kunden, Interessenten, Medien sowie Vertretern von Politik und Gesellschaft unsere Neuausrichtung im Markt für intelligente Kommunikation aufzuzeigen. (…) Das neu entwickelte Konzept der CeBIT 2008 hat wesentlich zu unserer Entscheidung beigetragen, auf die Leitmesse der ITK-Industrie zurückzukehren. Wir sind davon überzeugt, dass die klarere Struktur, das geschärfte Profil und die inhaltliche Neuausrichtung einen positiven Effekt auf die Besucherzahlen haben werden“, so Jürgen Gallmann, Vorsitzender der Geschäftsführung von Avaya in Deutschland.

+ British Telecom (Telekommunikation): „Prinzipiell ist der Plan gut, wieder stärker Struktur reinzubringen –- als reiner B2B-Anbieter haben wir ganz andere Interessen als Anbieter, die im Endkundengeschäft tätig sind. Spannend wird es nun, zu sehen, wie das neue Konzept umgesetzt wird. Die geänderten Veranstaltungstage (Di.-So.) kommen uns in jedem Fall entgegen, denn bislang ballte sich alles in den ersten drei Tagen, während nach dem Wochenende viele Besucher nicht noch mal wiedergekommen sind.“

+ Cirquent, ehemals Softlab (Berater):  Obwohl nicht auf der CeBIT vertreten lobt Thomas Siegner, Cirquents Head of Marketing: Die Richtung stimmt auf jeden Fall. Jetzt sind wir gespannt auf die erste CeBIT mit diesem neuem Konzept, um entscheiden zu können, ob das in Zukunft für Cirquent attraktiv ist.“

+/– Citrix (Terminal-Server): „Die CeBIT hat Zukunft, denn der ITK-Sektor in Deutschland benötigt eine solche Plattform. (…) Es bleibt abzuwarten, wie die radikale Neuausrichtung ankommen wird und wie sich das Publikum verhält und zusammensetzt. Es ist dadurch in diesem Jahr auf jeden Fall eine spannende Messe“, so Edwin Sternitzky, Leiter Marketing Central Europe.

+ Cognos (BI): „Cognos wird in diesem Jahr das erfolgreiche CeBIT-Konzept aus dem letzten Jahr weiterentwickeln. Der entscheidende Erfolgsfaktor war und ist die enge Verknüpfung von innovativer Technologie mit konkreten Lösungen, so Christoph Steinhauer, Marketing Manager Cognos Deutschland. „Die Neuausrichtung der Messen hin zu Lösungsthemen kommt uns entgegen, denn wir verfolgen diesen Ansatz schon länger.“

+ Computacenter (IT-Dienstleister): „Die Neuausrichtung und Verkürzung der CeBIT ist unseres Erachtens ein Schritt in die richtige Richtung. Für uns als IT-Dienstleister wird die CeBIT auch in der Zukunft eine der wichtigsten Messen bleiben.“

+/- EMC (Speicher und ECM):  „Wir haben uns in diesem Jahr im Sinne unserer Kunden und Geschäftspartner dafür entschieden, stärker in unsere eigene Hausmesse „EMC Forum“ zu investieren. Es stellt sich unseres Erachtens grundsätzlich die Frage, ob sich eine Branche wie die Informationstechnologie, die sich vor allem durch kurze Innovationszyklen auszeichnet, in ihrer Ankündigungsstrategie ausschließlich nach einer Messe richten kann. Dennoch: Die CeBIT ist ein wichtiges deutsches Aushängeschild in der IT und muss es auch bleiben.

+ eifk (CRM): „Das eifk (Europäisches Institut für angewandtes Kundenmanagement) ist Forschungs-, Weiterbildungs-, Zertifizierungs- und Auditierungs-Institution für praktiziertes Kundenmanagement und versteht sich als Lobbyist für ein besseres Verständnis der Kundenperspektive. Auf Grund des geänderten Konzeptes haben wir uns nach Jahren entschlossen, wieder als Aussteller teilzunehmen. Wir begrüßen, dass die Messedauer um einen Tag verkürzt worden ist. Die Fokussierung auf die unterschiedlichen Themenschwerpunkte unterstützt unseres Ermessens nach die Besucher bei der Organisation ihres Messebesuches.“

+ Fujitus Siemens (Systemintegrator): „Die Umsetzung des neuen Messe-Konzepts ist aus unserer Sicht eine gute Entscheidung. Die Themen der CeBIT sind übersichtlicher und Endkunden-orientierter geworden. Die Themen der CeBIT reflektieren die Hypes des Marktes und die Bedürfnisse der Kunden. Das erleichtert  es den Ausstellern, sich Themen zuzuordnen.“

+/– GateProtect (Sicherheit): „Unser Stand hat 78 qm und liegt auf einer Ecke gegenüber von GData und Kaspersky. Der Spaß kostet 50.000 Euro - ein Vermögen also! Doch wer sich auf der CeBIT blicken lässt, zeigt zumindest, dass er zu den Großen gehört. Und“, so urteilt Dennis Monner, CEO bei gateProtect, „wenn schon CeBIT, dann richtig, sonst geht das nach hinten los.“

+ GUS (ERP): „Die CeBIT ist nach wie vor der wichtigste Branchen-Event im Jahr“, so Martin Vollmer, GUS-Marketingleiter. „Die Deutsche Messe AG hat nach unserer Einschätzung die Zeichen der Zeit erkannt und die richtigen Konsequenzen gezogen. Seit langem setzt sich GUS-Vorstrandssvorsitzender Heinz-Paul Bonn, auch in seiner Rolle als Vizepräsident des BITKOM - für die Ausweitung des Kongressgedankens ein.

+ IBM (Rundumanbieter): „Die CeBIT ist für uns die wichtigste IT-Messe in Deutschland und ein Gradmesser für die IT-Industrie“, erklärt Martin Jetter, Vorsitzender der Geschäftsführung der IBM Deutschland GmbH. „Die Neuausrichtung der CeBIT bestätigt unser Konzept, ausschließlich Lösungen zu präsentieren.“

- IDC (Marktbeobachter): Die Messe muss Konzept und Ausrichtung ändern. Der Trend in den letzten Jahren geht immer mehr zu Hausmessen bzw. spezifischen Industrie-Messen. Die Investitionen, die sehr hoch sind, bringen zumindest im B2B-Bereich wenig direkten Umsatz.

–/+  Infor (ERP): „Infor hat sich entschlossen, 2008 nicht auf der CeBIT vertreten zu sein.  Infor wird eigene Veranstaltungen ausrichten wie elf regionale Inforum-Veranstaltungen in Europa. Mit speziell zugeschnittenen Veranstaltungen können wir Erwartungen punktgenau erfüllen." Aus eben diesem Grund, aber, so Hermann Stehlik, Vice President Marketing EMEA bei Infor:  „wird Infor auf dem BI (Business Intelligence)-Forum der CeBIT in Halle 3 mit seinen Performance Management Lösungen vertreten sein.“


+/– Kaspersky (Sicherheit): Als Marktführer im Retail-Bereich ist die CeBIT für uns ein klares Muss.Sie wird - mangels Alternativen - wohl auch in Zukunft die (deutsche) Leitmesse für IT&K bleiben“, meint Axel Diekmann, Geschäftsführer der Kaspersky Labs GmbH. „Ob sich eine Großmesse dieser Art jedoch als Kongress-Messe darstellen lässt, ist aus meiner Sicht fraglich.“

+/– Materna (Dienstleister):  Die CeBIT ist für Materna vor allem eine Veranstaltung zur Kundenpflege und zum Networking. Das neue Konzept als Kongress-Messe schätzt Materna positiv ein. Thementage und Themenbereiche kommen dem Besucher sicherlich entgegen und die Aussteller können sich hier gezielt präsentieren. Gleichwohl prüft Materna jedes Jahr erneut, ob und in welchem Umfang das Unternehmen auf der Messe vertreten sein wird. Es war dringend notwendig, das Messekonzept zu verändern.“

- MySQL (Open Source Datenbank): „Wir hatten bereits im letzten Jahr nicht mehr auf der CeBIT ausgestellt und planen heuer keine Rückkehr, so Marketing-Leiter Jürgen Giesel: Dazu war unser CeBIT-Ergebnis einfach über mehrere Jahre in Folge zu stark rückläufig.“

+/– Netviewer (Fern-Wartung):  „Die CeBIT ist für uns nach wie vor die wichtigste ITK-Branchenmesse in Deutschland – sowohl für die dort gezeigten Innovationen, als auch für das internationale Fachpublikum, das wir dort treffen. Die Kürzung auf sechs Tage und den geänderten Zeitrahmen sehen wir mit gemischten Gefühlen: Einerseits können wir nur bis Freitagnachmittag mit Business-Besuchern rechnen, was sich sicherlich negativ auf unsere Kontaktzahlen und ergo auch auf potenziellen Umsatz auswirkt. Andererseits passt sich die Messegesellschaft damit dem allgemeinen Trend an, dass in der Geschäftswelt die Zeit für Präsenzveranstaltungen immer kostbarer und knapper wird und Meetings immer mehr ins Web verlagert werden.“

+/– Sage (ERP): „Die CeBIT wird im B2B-Bereich wieder wichtiger, da der Fokus in diesem Jahr stärker auf Geschäftskunden gelegt wurde und zahlreiche Consumer-Firmen ihre Teilnahme abgesagt haben. Insgesamt verschiebt sich daher der Fokus: Sage erwartet  zwar insgesamt weniger Besucher, dafür jedoch deutlich mehr qualifizierte Fach-Besucher“, so Jörg Wassink, Pressesprecher von Sage.

+ SAS (BI):  "Mit seiner Rückkehr auf die CeBIT in Form eines eigenen Messestandes reagiert SAS auf den neuen Ansatz der CeBIT, die durch die Gliederung in drei große Ausstellungsbereiche stärker auf die Besucher eingeht. Mit ihrem neuen Ansatz hat es uns die Messegesellschaft leicht gemacht, zurückzukehren", so Jürgen Fritz, Director Marketing & Strategy, SAS Deutschland.

+/– Teradata (Data Warehousing): "Ob die CeBIT für Teradata künftig zu einem relevanten Handelsplatz wird, hängt u.a. davon ab, wie die Messegesellschaft den Umstrukturierungsprozess vorantreibt und wie sich das Preis-Leistungs-Verhältnis der Veranstaltung entwickelt. Dieses Mal schaut Teradata sich die CeBIT als kritischer Beobachter an und dann sehen wir – wie gesagt - weiter."

+ Trend Micro (Sicherheit): "Wir schätzen die CeBIT als internationale Plattform und begrüßen auch die Neupositionierung als Kongress-Messe. Die CeBIT zählt nach wie vor zu den wichtigsten IT-/TK-Messen der Welt und hat über die Jahre ihren internationalen Charakter bewahrt“,  so Frank Schwittay, Regional Director Central Europe bei Trend Micro

+/– USU (System-Management):  „Usu ist seit Beginn an auf der CeBit vertreten und damit einer der CeBIT-Pioniere. Allerdings hatten wir in den letzten Jahren das Gefühl, dass die Messe insbesondere für Aussteller aus dem Business-to -Business-Bereich zunehmend weniger attraktiv wird. Das neue Messe-Konzept (Messetage von Dienstag bis Sonntag, themenbezogene Platzierung der Aussteller, flankierender Kongress, mehr Marketing für die Aussteller)  dürfte sich positiv auswirken.

+/– Voxtron (Call Center): „Die Zukunft der CeBIT wird sicher nicht an die Besucherrekorde um das Jahr 2000 anknüpfen. Das ist auch weder das Ziel der Messeleitung, noch das der Aussteller. Diese möchten wieder eine gesunde B2B-Messe, bei der das Fachgespräch im Fokus steht und nicht erbeutete Werbemittel in immer größer werdenden Werbetüten. (…) Der Verlust des Hallendinosauriers 1 als Sammelbecken der Consumer-Elektronik wird kein Verlust für den fachlichen Charakter der Messe sein. Ob die Messe sich einen Gefallen tut, ein Thema vorzugeben, mag dahin gestellt sein, zumal in einer so schnelllebigen Branche wie der IT.

Wilken (ERP): Die CeBIT ist etabliert als Messe zur Kundenbetreuung. Dafür ist sie aber sehr teuer. Ich verstehe, dass die CeBIT den Samstag und Sonntag für die Consumer benötigt. Wir als Business-Aussteller brauchen diese Tage nicht. Die CeBIT ist keine Kongressmesse, sie ist eine Plattform zum Meinungsaustausch an den Ständen. In dem riesigen Trubel finden die Foren kaum ihre Besucher, kritisiert Wolfgang Grandjean, Marketingleiter von Wilken.

+/- Xerox (Drucker, Kopierer):  „Xerox kehrt nach einjähriger Pause auf die CeBIT zurück. Im März geht das Unternehmen mit neuem Standkonzept in Halle 7 an den Start. Im Mittelpunkt des neuen Auftritts steht dabei die frei programmierbare Benutzeroberfläche für Xerox-Multifunktionsgeräte.“

 


Stellungnahmen von:

Legende: + pro CeBIT; – CeBIT-kritisch, +/– unentschieden

+ Avaya (Kommunikation)
+ British Telecom (Telekommunikation)
+ Cirquent, ehemals Softlab (Berater)
+/– Citrix (Terminal-Server)
+ Cognos (BI)
+ Computacenter (IT-Dienstleister)
+/- EMC (Speicher und ECM)
+ eifk (CRM)
+ Fujitus Siemens Computer (Hersteller)
+/– GateProtect (Sicherheit)
+ GUS (ERP)
+ IBM (Rundumanbieter)
– IDC (Marktbeobachter)
–/+  Infor (ERP)
+/– Kaspersky (Sicherheit)
+/– Materna (Dienstleister)
– MySQL (Open Source Datenbank)
+/– Netviewer (Fern-Wartung)
+/– Sage (ERP)
+ SAS (BI)
+/– Steria Mummert (Beratung)
+/– Teradata (Data Warehousing)
+ Trend Micro (Sicherheit)
+/– USU (System-Management)
+/– Voxtron (Call Center)
– Wilken (ERP)
+/– Xerox (Drucker, Kopierer)